Elmar Weber begann seinen Unterricht am Klavier im Alter von fünf Jahren, gemeinsam mit seinen beiden um jeweils zwei Jahre älteren Schwestern Juliane und Katharina Weber. Während die beiden Mädchen durch Fleiß und Ausdauer mit anspruchsvoller Klavierliteratur kontinuierlich die konventionelle „Klavierlehre“ durchliefen, sprengte Elmar schon im zartesten Alter durch konstruktiven Protest alle herkömmlichen Methoden meiner langjährigen Unterrichtserfahrung. Elmar spielte von Anbeginn Noten ohne Noten, will heißen, er las die ersten Stücke nur über das Gehör. Er war mit acht Jahren mit der Bourrée aus J. S. Bachs Englischer Suite A-Moll Preisträger bei „Jugend musiziert“ und erhielt zwei Jahre später den ersten Preis für seine feurige Interpretation der „Revolutions"- Etude von F. Chopin. Obwohl ich seine Abneigung gegen „Rundgedrucktes“ auch noch Jahre später durchschaute, war Elmar bereits im Besitz eines repräsentativen Repertoires, und ich um eine Unterrichtsstrategie reicher. Mit vierzehn schleppten wir uns beide durch die pianistische Pubertät, das gefürchtete Virus des fieberlosen künstlerischen Stillstandes war ausgebrochen. Elmar aber war ein Kind des gerechten Lobes. Wohlmeinende Worte in flauen Phasen waren ihm zuwider. Er lehnte es sogar vehement ab, für ein „nichts“ gelobt zu werden, auch wenn in diesem „nichts“ immer noch viel Anerkennenswertes lag. Aber so hatte ich ein musikalisches Medikament entdeckt, das gerade seinen Ehrgeiz antrieb. Es hieß: „gar nicht so schlecht“ und wirkte bei keinem Schüler so reziprok. „Gar nicht so schlecht“, hieß für Elmar miserabel und gehörte ausgerottet bis zum nächsten Unterricht. Es folgte nach überstandener alterstypischer Phase eine Zeit, die von Fleiß und großer Konzentration geprägt war. Elmar studierte jetzt den Notentext geradezu übergenau. Das befähigte ihn dazu, völlig selbstständig Stücke einzustudieren, die dann in den Unterrichtsstunden ausgefeilt wurden.
Unsere Zusammenarbeit gestaltete sich immer mit höchstem Engagement und sehr lebendig, denn Elmar hat die anstrengende, aber günstige Gabe, neben seiner naturgegebenen manuellen Geschicklichkeit , die sich im Laufe der Jahre noch zunehmend verfeinerte, seine eigene Interpretationsvorstellung nicht nur vorzuschlagen, sondern mich in den allermeisten Fällen damit so zu verblüffen, dass sie mich überzeugte. Elmar war und ist also nicht, wie die meisten Schüler ihrer Lehrer eine Kopie derselben, sondern ein musikalischer Grenzgänger im besten Sinne.
Elmar Weber war Ende 2007 für ein Förderkonzert vorgesehen, das aber zu Gunsten der zunehmenden schulischen Leistungsanforderungen zurückgestellt werden musste.
Diesmal ist Elmar Weber trotz bevorstehenden Abiturs für den ursprünglich vorgesehenen Radomir Mirkovic sehr kurzfristig eingesprungen und dafür danke ich ihm sehr für diesen Einsatz und wünsche ihm ein gutes Gelingen!
Kristin Wachenfeld Februar 2009